Die Winterakademie 2025/26

Konzentration auf die Basics und Vorbereitung auf die Freiluftsaison

Die Winterakademie geht in die zweite Runde. Nach dem ersten Durchgang im vergangenen Winter, stellen sich in diesem Jahr 11 BogensportlerInnen aus unserem Verein dem Intensivtraining. Mit einer langen Vorbereitungsphase von mehreren Monaten wollen alle mit Erfolg im nächsten Jahr in die Wettkampfsaison im Freien starten. Im Vordergrund der Akademie stehen Schussablauf, Koordination, Fitness, Motivation und Optimierung des Trainings. Über alle Trainingseinheiten hinweg lernen die TeilnehmerInnen Ihren Stil und ihr persönliches Training nachhaltig zu verbessern. Ein Fokus auf das Wesentliche hilft bei der Zielerreichung.

1. Trainingseinheit, 25.10.2025

Die Vermessung der Welt

Die erste Einheit der Akademie steht ganz im Zeichen des Erdens der TeilnehmerInnen. Gleich zu Beginn ist die Rede von Trainingsplänen für Ausdauer und Kraft sowie einem Leistungspensum von mindestens 200 Pfeilen in der Woche. Zusätzlich wird eine Zusammenstellung mit Theraband-Übungen ausgegeben.

Um den Erfolg der Winterakademie objektiv nachhalten zu können, werden von allen TeilnehmerInnen Aufnahmen angefertigt, die die Stellung von Armen, Schultern, Schulterblättern und des Standes dokumentieren. So lässt sich nachverfolgen, wie sich Stil und Fitness in den nächsten Wochen verbessern werden.

Wesentliches Element des Stiltrainings ist in dieser Einheit die Vorbereitungsphase, die u.a. einen festen und sicheren Stand zum Ziel hat.

2. Trainingseinheit, 8.11.2025

Es wird spannend

Die zweite Trainingseinheit der Winterakademie knüpft nahtlos an die erste an. In persönlichen Gesprächen werden die fotografischen Aufnahmen vom jeweiligen Schussablauf besprochen und ausgewertet. So erhalten alle TeilnehmerInnen ihren individuellen Status und eine ganz spezifische Zielsetzung.

Schwerpunkt des Trainings ist die zweite Phase des Schussablaufes: die Vorspannung. Zunächst werden theoretisch und dann praktisch mit Therabändern Körperspannung, Druckpunkt, Schulterpositionen und die Bewegung der Zughand einstudiert. Das anschließende Kraft-Ausdauer-Training mit 9er-Passen setzt die Theorie schließlich in die Anwendung um und bringt alle TeilnehmerInnen in einen erschöpften aber glücklichen Zustand.

3. Trainingseinheit, 22.11.2025

Drei auf einen Streich

Die dritte Trainingseinheit steht an. Das Team aus TeilnehmerInnen und Trainern wächst immer weiter zusammen. Alle sind mit hoher Motivation an den Start gegangen, fördern und fordern sich beim gemeinsamen Aufwärmen und in den Übungen.

Nun gilt es die nächste Phase des Positionsmodells zu lernen und zu verinnerlichen: das Anheben auf Augenhöhe und die Ausrichtung zum Ziel. Kontrolle, Druck, Spannung halten, fließende Bewegungen. Für die Bogensport-Neulinge ist es ein ungewöhnliches Maß an Konzentration auf nun drei Elemente bzw. Phasen, die alle gleichmäßig beachtet werden wollen. Der Fokus darauf verlangt viel Energie. Die älteren Hasen erleben derweil ein Gefühl der Verwirrung. Denn typischer Weise wurden (die eigenen) Bewegungsmuster irgendwann verinnerlicht. Das Aufbrechen dieser Muster ist schwierig, aber in jedem Fall lohnenswert.

4. Trainingseinheit, 13.12.2025

Vor Anker gehen

Es wird ernst. Nach der Vorbereitung, dem Spannungsaufbau und dem Auszug wird in dieser Trainingseinheit die Halteposition bzw. die Zielposition besprochen und eingeübt. Obwohl „Halteposition“ ganz einfach klingt, ist der Weg dorthin alles andere als einfach. Erforderlich ist eine ständig wachsende Schulterspannung, der korrekte Anker mit dem Kontakt zu Kinn, dem Kinnknochen und der Nase sowie die kleine aber wichtige Bewegung des Ellenbogens, die den Transfer einleitet.

Es braucht einige Versuche, bevor die Halteposition souverän erreicht wird. Jetzt gilt es noch diese zu kontrollieren und aufrecht zu halten. Wieder eine Herausforderung für die TeilnehmerInnen: Wie lange haltet ihr durch?!  Mit der Stoppuhr „bewaffnet“, wird gemessen – drei Mal. Das zehrt ordentlich an den Kräften. Die Zeitspanne, in der die Halteposition ausgeführt werden kann, ist ein Indikator dafür, ob das Zuggewicht des Bogens zu leicht oder zu schwer ist.

Auch zum Ende dieser Einheit stehen wieder und noch mehr Hausaufgaben an. Neben Schießen, Ausdauer und Theraband-Übungen sollen die TeilnehmerInnen auch an ihrer Visualisierung arbeiten. Hierzu stehen Videos bereit, die einen Profischützen bei der Ausführung eines perfekten Schusses zeigen. Ansehen, verinnerlichen und die Selbstverständlichkeit reproduzieren ist schließlich die Aufgabe.

5. Trainingseinheit, 10.01.2026

Abschluss mit Abschuss

Nach vierwöchiger Pause kehrt die Winterakademie zurück und wird fortgesetzt. Das neue Jahr beginnt für die TeilnehmerInnen, wie das vergangene geendet hat: Mit Theorie, Theraband und dem eindrücklichen Appell, dass das nachhaltige Training auch die Erledigung der Hausaufgaben für Ausdauer, Kraft und Verinnerlichung des perfekten Schusses bedeutet.

In dieser Einheit dreht sich alles um die fünfte und letzte Phase des Schussablaufs: Der Pfeil wird auf die Reise in die goldene Mitte geschickt. Hierbei werden die Elemente Ankern, Zielen, Lösen und Nachhalten zu einem Block zusammengefasst. Später erfolgt dann im persönlichen Training die Ausdefinition und das Studieren der einzelnen Abschnitte.

Einen Ausblick gibt es für alle ganz unabhängig von der Bogenart: die Auszugskontrolle über einen Klicker wird vorgestellt und die Vorteile des immer gleichen Kraftaufwandes erläutert.

6. Trainingseinheit, 24.01.2026

Das große Ganze

Die ersten fünf Einheiten der Winterakademie galten der Zerlegung des Schussablaufs in viele Details. Oftmals mussten dabei Elemente ganz neu erarbeitet werden. In der sechsten und letzten Stileinheit der Akademie wird der Blick wieder auf den gesamten Schuss gelenkt. Die Puzzleteile werden zusammengefügt und sollen den „schönen Schuss“ ergeben. Ohne die einstudierten Details aus dem Blick zu verlieren, wird der Schussablauf wieder zur Einheit. Die Freude darüber, war den TeilnehmerInnen deutlich anzusehen.

Parallel zu den Trainingseinheiten der Winterakademie absolvierten die TeilnehmerInnen in den vergangenen Wochen einen basalen Trainingsplan aus Kraft- und Ausdauerübungen, mentalem Training wie auch dem Schießen. Das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Ansätzen wirkte sich spürbar positiv auf die Feinheit in der Ausführung und die Fitness aus. Der Trainingsplan half oft im Kampf gegen den „inneren Schweinehund“.

Zum Abschluss des Stiltrainings werden den TeilnehmerInnen noch die Essenzen eines guten Trainings mit auf den Weg gegeben: vor dem Schießen sollte stets ein Stilelement definiert werden, das bearbeitet wird. Und nur darauf gilt es sich zu konzentrieren. Hinzu kommt eine angestrebte Pfeilanzahl. In jedes Training sollte auch eine Leistungskontrolle eingebaut werden. Es sollte stets ein schöner Schuss sein, der das Training beendet und mit einem guten Gefühl abrundet.

Interview, 07.02.2026

Wie gewinnt man eine Landesmeisterschaft?

Lieber Jens,

am letzten Sonntag hast Du die Landesmeisterschaft der Herren Compound in der Halle gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Jens: Danke! Das war wirklich ein großartiger Moment für mich!

Im Finale hast Du einen Schnitt von 9.7 Ringen pro Pfeil geschossen. Von 15 Pfeilen sind damit zehn in der 10 gelandet und nur fünf in der 9. Das ist unglaublich gut! Wie wichtig ist für Dich das Zielen, um so viele Zehner zu schießen?

Jens: Naja, das Zielen ist schon wichtig. Wenn ich den Schuss in der 8 löse, dann fliegt der Pfeil auch in die 8. Und das will ich nicht.

Wie schaffst Du es, den Bogen ruhig in der 10 zu halten?

Jens: Das hat viel mit dem richtigen Material und dem richtigen Tuning zu tun. Mit meinem alten Bogen hatte ich ein Zielbild, das sich bis ins Rote hinein erstreckt hat. Mein neuer Bogen ist von Haus aus ruhiger und ich habe viel Zeit in das Tuning gesteckt, woran auch durchaus erfahrene Vereinskameraden mitgeholfen haben. Dadurch hat sich das Zielbild signifikant stabilisiert. Mein Pin schwimmt jetzt immer zwischen 10 und 9.

Aber Tuning ist sicher nicht alles. Hast Du noch einen Tipp, wie wir den Bogenarm ruhiger bekommen können?

Jens: Wenn ich im Ziel bin, dann werde ich innerlich ganz ruhig. Ich suche die Ruhe und ich genieße sie. Mehr mache ich eigentlich nicht.

Irgendwann musst Du dann aber wieder aus der Ruhe heraustreten und den Schuss lösen. Wie schaffst Du den Wechsel von Ruhe zu dynamischem Lösen?

Jens: Für mich ist das gar kein so großer Wechsel. Ich spüre einfach, dass die Zeit reif ist, und dann löse ich. In dieser Phase ist mein Zeitgefühl nicht so gut, ich weiss nicht, ob ich 2 oder 3 Sekunden ziele, und ob bei allen Schüssen der Zielvorgang gleich lang dauert. Und natürlich ist die Spannung immer da. Die finale Expansion passiert einfach, ohne dass ich wirklich bewusst nochmal ziehe.

Danke für diese Einblicke! Wir wünschen Dir weiterhin alle ins Gold!

Materialabstimmung #1, 07.02.2026

Kenne deinen Bogen

Wie aus einem „Tuning, wozu soll das gut sein?!“ ein akribischer Wettlauf um Zahlen und Werte wird.

Alle TeilnehmerInnen dokumentieren den Ist-Zustand der Bögen in einem Bogensteckbrief. Die schiere Menge an Angaben ruft bereits Erstaunen hervor. Es wird gemessen, geprüft, gewogen, geneigt, notiert und korrigiert. Am Ende nennt jeder einen aussagekräftigen Datensatz sein eigen, der fortan die Basis des Tunings darstellen wird.

Profi-Tipp des Tages
Großes Erstaunen rief hervor, dass die Spannhöhe ein und desselben Bogens um 2 bis 3 mm variieren kann, wenn diese mit unterschiedlichen Checkern gemessen wird. Ein Checker wird zwar als Messinstrument verwendet, ist aber leider nicht geeicht! Deswegen den Bogen immer mit dem eigenen Checker kontrollieren.

Materialabstimmung #2, 14.02.2026

Sehet und staunet

Der zweite Termin zur Materialabstimmung widmete sich der Optimierung und bescherte so manche Erkenntnis. Spannhöhen wurden bewusst verändert. Stabilisatoren wurden getestet. Zusätzliches Gewicht wurde angebracht und die Korrelation mit dem auf der Auflage tanzenden Visierpin dokumentiert.

Wesentliche Erkenntnisse

  • Wenn sich die Spannhöhe der Sehne verändert (um mehr als 5mm), dann verändert sich auch der Klang des Bogens: von einem Scheppern, über ein ruhiges Plong bis zum schnalzenden Schlag.
  • Je schwerer der Bogen, desto ruhiger das Zielbild.
  • Fehlende Kraft begrenzt nicht nur den Auszug  sondern auch das Gewicht, das aufgeschraubt bzw. hinzugefügt werden kann.
  • Noch etwas mehr Krafttraining könnte nicht schaden.

Diese Einheit der Winterakademie war erfüllt von fleißigem Experimentiern und jeder Menge Spaß. Beinahe jede/r hat ein für sich besser geeignetes SetUp seines Bogens gefunden.

Materialabstimmung #3, 21.02.2026

Materialsammlung Training

Beobachtungsaufgaben zum Video

Was haben alle Schützen gemeinsam?
Wo wird gepfuscht? Und warum?
Wo stehe ich im Vergleich?

Beobachtungsaufgabe zum Video

Gibt es Unterschiede im Stil zwischen 2024 und 2012?

Der perfekte Schuss

Als Timing- und Trainingsvorlage für die typischen Bogenklassen wiederholen sich die Schussabläufe sechs Mal.

Recurve mit Lisa Unruh

Compound mit Kim Jongho

Blankbogen mit Medina Otajagic

Materialsammlung Tuning

Bogenschießen besteht auch aus dem Verständnis für das Material und die Zusammenhänge von technischen Parametern. In den abschließenden 2 Einheiten der Winterakademie wird das richtige Zusammenstellen und Abstimmen der Ausrüstung unter die Lupe genommen.

Der Auszug wird gemessen und rechnerisch abgeglichen, Zuggewichte bestimmt, Pfeil-Geschwindigkeiten ermittelt, Stabilisatoren feinjustiert und vieles mehr. Alle teilnehmenden BogensportlerInnen befüllen einen detaillierten Bogenpass.

Easton Shaft Selection online

Wer es lieber interaktiv mag, für den gibt es den Easton Shaft Selector unter eastonarchery.com/selector/

Easton FAQ

Alle Fachbegriffe und ein bisschen Hintergrundwissen werden in der FAQ von Easton erklärt: eastonarchery.com/faqs/

Archers Advantage

Nur für Compound-Schützen: wer wirklich den bestmöglichen Pfeil finden will, der sollte statt des Easton Shaft Selectors eine spezialisierte Software wie Archers Advantage (https://www.archersadvantage.com/) o.ä. nutzen.